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"Es allein den einzelnen Städten und Gemeinden zu überlassen, ob und wo sie Windkraftanlagen im Rheingau errichten, halte ich für falsch. Vor allem auch deshalb, weil so der Schutz unserer Kulturlandschaft nicht möglich ist!" Herbert Ujma

Am 22.07.2014 habe ich mein Kreistagsmandat niedergelegt, weil meine Position zu Winkraftanlagen im Rheingau nicht kompatibel ist mit der Auffassung der SPD-Fraktion. >>> mehr dazu

Meine im Oktober 2012 noch differenzierte Haltung hatte ich breits im August 2013 revidiert: Seither unterstütze ich die Ziele des gerade gegründeten Vereins "Pro Kulturlandschaft Rheingau e.V." (zuvor Bürgerinitiative) und halte Windkraftanlagen im Rheingau für nicht vertretbar.

Die bewaldeten Höhen sind die bildliche Krönung des Rheingaus. Auch aus vielerlei funktionalen Gründen ist ihre Unversehrtheit wichtiger als es fragwürdige Rendite-"Aussichten" sind! Deshalb muss die Bewahrung des Rheingauer Landschaftsbildes im Zusammenwirken mit den Kulturdenkmälern, dem Charakter einer traditionsreichen Weinbauregion, der Naherholungsfunktion für das Rhein-Main-Gebiet und der Attraktivität für den sanften Tourismus Vorrang haben. Die Realisierung der Energiewende ist dem unterzuordnen.

Für die ausführlich begründete Einstufung des Hess. Landesamtes für Denkmalpflege (06.05.2014) der Vorrangflächen im Rheingau als "ungeeignet" bin ich sehr dankbar! (Auszüge daraus siehe unten)

Dies gilt gerade auch nach Vorstellung des "Masterplans Energie" des Rheingau-Taunus-Kreises, dem eine separate Seite gewidmet ist. Sie enthält zudem die Stellungnahme von Wolfgang Landsfeld.

Auch die Deutschen Kunsthistoriker appellieren, die Kulturlandschaft zu schützen. Erfreulicherweise hat auch der "Eberbacher Appel" des Vereins "Pro Kulturlandschaft Rheingau" von Mai 2015 Früchte getragen, jedenfalls in Eltville!

Daher begrüsse ich die Forderung nach einer Sichtachsen-Studie, wie sie bereits für das Welterbe Oberes Mittelrheintal vorliegt. Die Rheingauer Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper (CDU) hat nun eine solche Studie für den Rheingau-Taunus gefordert.

Inzwischen ist die CDU-Rheingau-Taunus der Auffassung, dass der Abstand zur Wohnbebauung das 10-fache der Windradhöhe betragen soll (wie in Bayern), was ich ebenfalls begrüsse.

 

WKA-BlickRuinierte Rhein-Romantik: Blick von der Ruine Nollig in Lorch auf die Hunsrück-Höhen.
Foto: Herbert Ujma, 07.06.2014 (Bild anklicken = vergrößerte Ansicht)

Die bestehende Windkraftanlage im Rheingau-Taunus-Kreis in Heidenrod-Kemel zeigt die Dimensionen aus der Nähe. Der Höhenunterschied zwischen normalen Bäumen und einem Windrad ist gewaltig!

Der VDP (Verband der Prädikatsweingüter) Rheingau:
"Die Windkraft passt nicht in den Rheingau!"

Ich teile auch die Aussage von Oskar Lafantaine: "Unter dem Vorwand die Umwelt zu schützen wird die Landschaft zerstört."

"Es muss auch weiterhin Landschaften ohne Windräder geben"
Interview mit dem Ökologen und Philosoph Dr. Thomas Kirchhoff in der Zeitschrift "chrismon", Juni 2014, zum Thema Windräder und Landschaft (PDF)

Filmregisseur Edgar Reitz ("Heimat"):
"Es ist eine vielfach gemachte Beobachtung, dass bewegte Objekte auch aus großer Entfernung den Blick fesseln, unbewusst irritieren und Unruhe auslösen. Eine von Windrädern durchsetzte Landschaft verliert aus diesen und anderen Gründen komplett ihren Erholungswert. Ich verstehe deshalb sehr gut, dass sich die Bürger an vielen Orten zur Wehr setzen. Das planlose Verbauen einer ganzen Gegend mit zum Teil gigantischen Rotoren hat nichts mit Naturschutz, Nachhaltigkeit oder sozialer Gerechtigkeit zu tun. Wie immer treibt die Profitgier auch hier in die Maßlosigkeit."

Denkmalfachliche Stellungnahme
zur geplanten Ausweisung von Vorrangflächen für Windenergieanlagen

Auszüge aus der Stellungnahme des Hess. Landesamtes für Denkmalpflege
vom 06. 05. 2014 zum Sachlichen teilplan Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen

"Unsere Bedenken gegen alle ausgewiesenen Vorrangflächen im Altkreis Rheingau sind erheblich: Viele der hier kartierten Vorrangflächen befinden sich in unmittelbarer Umgebung von künstlerisch, geschichtlich, städtebaulich und wissenschaftlich hochbedeutenden, nach § 2 Abs. 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes (HDSchG) als Einzelkulturdenkmäler oder nach 3 2 Abs. 2 HDSchG als Gesamtanlagen geschützten Denkmälern." …

"Die Städte Rüdesheim und Lorch befinden sich außerdem in der Kernzone der Welterbestätte "Oberes Mittelrheintal" und genießen daher den besonderen Schutz der UNESCO." …

"Es sei explizit auf den Regionalplan Südhessen 2010 und auf die übergreifenden Ziele zum Umgang mit Naturräumen, Erholung und Denkmalpflege hingewiesen, die hinsichtlich historischer Kulturlandschaften und Baudenkmäler zu berücksichtigen sind" …

Da der Rheingau eine sehr alte Kulturlandschaft mit besonders wertvollen Gesamtanlagen und Kulturdenkmälern darstellt, müssen unsere Ausführungen zu allen im Rheintal betroffenen Denkmälern im Folgenden entsprechend ausführlich sein." … "Betont werden muss jedoch, dass auch hier nur die historisch bedeutsamsten bzw. exponiertesten Denkmäler Erwähnung finden." …

"Insgesamt ist die Freihaltung der geplanten Vorrangflächen für die Erhaltung der optischen Unversehrtheit der oben genannten Vielzahl von Gesamtanlagen und Kulturdenkmälern und der gesamten Kulturlandschaft des Rheingaus unverzichtbar." …

"Die Platzierung von Windkraftanlagen in diesen Flächen wäre ein belastender, grob unangemessener Eingriff in die überkommene, bislang intakte Kulturlandschaft des Rheingaus. Die genannten Vorrangflächen sind aus denkmalschutzrechtlicher Sicht nicht genehmigungsfähig."

Meine nachstehende ursprüngliche Auffassung lasse ich aus "historischen" Gründen stehen:

Heißes Eisen Windkraft im Rheingau:

Sinnvolles ist nicht automatisch akzeptabel – schon gar nicht als Flickenteppich!

Die meisten Akteure des örtlichen und regionalen Politikbetriebs, viele einzelne engagierte Rheingauer sowie seit ihrer Gründung auch die Bürgerstiftung "Unser Land" haben den Rheingau, besonders seine Kultur, seine Natur und seine Landschaft bislang so vehement zu schützen versucht, weil ihnen im Bewusstsein der Geschichte des Rheingaus seine Zukuft am Herzen liegt.

  • Immer wieder hatte es Eingriffe gegeben, besonders bei denkmalgeschützten historischen Gebäuden und Ensembles. Auch kulturelle Stilbrüche wie die Untertage-Kellerei am Steinberg haben weh getan.
    Obwohl andere, nämlich kommerzielle Aspekte letztlich ausschlaggebend gewesen sein mögen, können auch die Bemühungen zum vollständigen Erhalt der Eberbacher Grangie "Steinheimer Hof" als Erfolg verbucht werden.
    Als ersten und bedeutendsten Erfolg kann die Verhinderung der "Rheingauer Höhenstraße", also der Verlängerung der A 66 bis Rüdesheim auf einer Trasse ungefähr entlang der oberen Weinbergsränder bzw. der unteren Waldränder, betrachtet werden. Die Argumente des klassischer Landschaftsschutzes hatten - nach Jahren des Widerstandes – letztlich auch die ursprünglichen Befürworter überzeugt.
    Verhindert werden konnte auch die Rheinbrücke Bingen - Rüdesheim/Geisenheim, nicht nur in der 4-spurigen Erst-Planung, sondern auch 2-spurig auf der Trasse der ehem. Eisenbahnbrücke. (In dieser Form würden viele, auch ich persönlich, sie jedoch nach wie vor befürworten.)
    Die zuweilen äusserst strengen Schutzbestimmungen für Flora und Fauna haben selbst einen eher geringfügigen Eingriff in die "Natur", nämlich die sinnvolle Nutzung der Ruine der von Menschenhand geschaffenen Burg Ehrenfels verhindert.
  • Wieder andere Bestimmungen haben im Zuges des Leinpfad-Ausbaus dazu geführt, das den Geisenheimern ein Stück des "ursprünglichen", eben auch von Menschen geschaffenen Leinpfades genommen wurde, um es künftig der ausschließlichen Nutzung durch "die Natur" zuzuführen.

Nun aber kommen ausgerechnet diejenigen, die erheblichen Anteil an der Schaffung solcher strengen Bestimmungen haben, daher und wollen deren Anwendung weniger streng gehandhabt wissen. Allerdings nur für bestimmte Vorhaben: nämlich zur Errichtung von Windkraft-Anlagen!Bei aller Einsicht in die Notwendigkeit der Energiewende, bei aller Befürwortung des Umstiegs auf erneuerbare Energieen kann man nur staunen, wie leichtfüßig nun mit Naturschutz-Aspekten, besonders aber mit Landschaftsschutz-Aspekten, umgangen werden soll. Die Zeiten, in denen unsere Landschaft nur von unten, also vom Rheinufer aus wahrgenommen wird, ist vorbei. Inzwischen habe wir sehr viele Wanderer als Gäste! Würden Windräder den Rheinsteig und andere Höhenwege attraktiver machen?

Trotz der Beteuerungen, dass es lediglich um eine - vermeintlich - notwendige Erweiterung der Suchräume gehe: Würde eine Herabsetzung des Abstands zu Siedlungsflächen von 1.000m auf 750m per Festlegung im Landesentwicklungsplan die Akzeptanz solcher Anlagen bei den Bürgern erhöhen?

Es versteht sich von selbst, für die Errichtung von Windkraftanlagen nach Standorten mit hoher Windhöffigkeit zu suchen. Finden sie sich ausgerechnet in natur- und landschaftsschutzsensiblen Bereichen, gebietet doch die Vernunft ein für diesen Bereich - ich meine damit den gesamten Rheingau - koordiniertes Vorgehen der Kommunen unter Einbeziehung des Kreises.

Das Ziel kann nicht – obwohl es das bequemste wäre – der plumpe Ausschluss der Errichtung von Windkraftanlagen im Rheingau sein, zumal auch Rheingauer Kommunen die hiermit möglicherweise erzielbaren Einnahmen gut gebrauchen könnten. Aber nochmals: die Rheingauer Landschaft erfordert höchste Sensibilität, auch bei der notwendigen Realisierung der Energiewende! Das Ziel müsste daher die gemeinsame Festlegung einer Konzentration auf so wenig Standorte wie möglich sein, welche landschaftsverträglich sind und weder beim Bau noch im Betrieb die Natur in unvertretbarer Weise beeinträchtigen oder gar schädigen. Noch deutlicher: Es sollte um Standorte im unteren Rheingau nördlich der Wisper gehen. Dazu genügt eben nicht die isolierte Betrachtung der jeweiligen Kommune, die einen Standort für geeignet hält. Ein Landschaftsbild mit der Gemarkungsgrenze als Bilderrahmen gibt es nicht! Beeinträchtigungen der Landschaft können sich weit über die Grenzen einer Kommune hinaus auswirken! Und auch Naturräume erstrecken sich häufig über kommunale Grenzen hinweg.

Zur Logik einer gemeinschaftlichen Konzentration gehört allerdings auch eine gemeinschaftliche geschäftliche Grundlage, also letztlich die Regelung von Planungs-, Erschließungs- und ggf. Investitionskostenanteilen sowie eventueller einmaliger und/oder fortlaufender Gewinnanteile! Das koordinierte Vorgehen schließt ja bereits die unteren Fachbehörden ein. Somit könnte auch die Dauer der Planungs- und Genehmigungsphase verkürzt werden. Dieser hat aber eines unbedingt vorauszugehen: Für die gemeinsam vorgeschlagenen konkreten Vorhaben muss zunächst die Akzeptanz der Rheingauer Bevölkerung eingeworben werden und letztlich sind Bürgerentscheide geboten.

Inzwischen wachsen die Zweifel daran, ob es wirklich unerlässlich ist, überall dort, wo der Wind kräftig genug weht, Windräder aufzustellen. Die Energiewende wird jedenfalls nicht dadurch gefährdet, dass man im Rheingau erst einmal gründlich und gemeinsam über die Frage nachdenkt, ob überhaupt und wenn ja wo ein Windpark vertretbar ist! Der - wenn auch erfolglose - Aufstand gegen den Kellerei-Neubau am Steinberg bestand aus einer losen Allianz von Bürgerinnen und Bürgern, Teilen der politischen Mandatsträger und von Fachleuten aus den relevanten Disziplinen. Sein Erfolg bestand in dem Beweis, dass die Rheingauer Bevölkerung eben nicht nur ihren jeweiligen Ortsteil und auch nicht nur ihre jeweilige Stadt im Blick hat, sondern den Rheingau in Gänze und als Einheit!

Herbert Ujma, 14.10.2012, mögl. Standorte korr. am 27.03.2013

P.S.: Einem Hinweis von Wolfgang Landsfeld folgend, empfehle ich einen Blick auf die gemeinsame Presseerklärung der anerkannten Naturschutzschutzverbände zur Energiewende in Rheinland-Pfalz. Diese würde ich nur stellenweise unterschreiben, aber sie zeigt doch interessante Parallelen zur Lage im Rheingau / in Hessen auf.

www.ujmaweb.de