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Fotoabzüge zu analogen Zeiten

In (m)einer Dunkelkammer wurde mit dem Vergrößerungsgerät (siehe Foto rechts oben) das eingelegte Negativ auf den Vergrößerungsrahmen projiziert und hinsichtlich der Größe und des Ausschnitts eingestellt. Nach Einlegen des lichtempfindlichen Photopapier-Blattes in den Rahmen erfolgte die Belichtung. Um diese nicht "nach Gefühl" steuern zu müssen, gab es natürlich entsprechende Geräte zu kaufen – die ich mir aber damals nicht leisten konnte.

Also machte mir mein Bruder Karl-Heinz ein tolles Weihnachtsgeschenk: Technisch begabt wie er war, bastelte er mir eine vollwertige automatische Belichtungssteuerung! Sie funktionierte bestens und viele Jahre, in denen ich eine riesige Menge von schwarz-weiss-Fotos in meiner Dunkelkammer entwickelt habe. Selbst den Begriff "entwickelt" muss man ja heute im Digitalzeitalter erklären:

Nach der Belichtung legte man das Photopapier (bei mir maximal 30 x 40 cm) in die Schale mit der Entwicklerflüssigkeit. Hier galt es nun, den chemischen Vorgang zu beobachten. Wenn die langsam zunehmende Schwärzung des Bildes das Optimum erreicht hatte, galt es flugs diesen Prozess zu stoppen.

Dazu musste das Photopapier mindestens kurz in die Schale mit dem Unterbrecherbad getaucht werden. Sodann wurde es in die dritte Schale, die mit dem Fixierbad, gelegt. Ab hier veränderte sich der Fotoabzug nicht mehr, aber er musste lange genug in dieser Schale liegen, um auch wirklich ausfixiert zu sein.

Bis zu diesem Zeitpunkt musste alles bei Rotlicht geschehen, hernach konnte man wieder das Normallicht einschalten. Gegen Tageslicht musste das Labor gut abgeschottet sein. (Oder man arbeitete vorwiegend nach Sonnenuntergang …)

Vierte Station war das Wässerungsbad, bzw. bei mir eine Wässerungswanne mit Schlauchanschluss, in der die Abzüge ordentlich klargespült wurden. Anstelle des Trocknens "an der Leine" benutzte ich eine doppelseitige elektrische Trockenpresse, die ein Hochglanz-Finish gewährleistete.

Nicht selten mussten die Abzüge aber mit dem feinen Pinsel noch ewas ausgefleckt werden. Bildverändernde Retuschen, wie sie heute per "Photoshop" am PC möglich sind, waren undenkbar. Mögliche Schönheits-Retuschen stellten auf den Abzügen ohnehin nicht den Königsweg dar.

Sie wurden früher auf den großformatigen Negativen ausgeführt, auch noch im Mittelformat. Im Kleinbildformat erforderten Negativ-Retuschen eine "überirdische" Feinmotorik. Was ich hingegen ganz gut beherrschte, war die Möglichkeit, während der Belichung partiell abzuwedeln oder nachzubelichten.

"Abwedeln" bedeutete, mit lichtundurchlässigen, runden Scheiben verschiedener Größe an langen, dünnen Stielen den Lichteinfall dort zu verringern, wo das Bild heller werden sollte. Der Stil aber musste dabei stets in Bewegung sein, um nicht auch als Lichtbremse zu wirken.

Das "Nachbelichten" erfolgte entweder grob mit den eine Öffnung formenden Händen, so dass nur die gewünschte Bildpartie mehr Licht erhielt, also dunkler wurde. Oder man schnitt eine entsprechend geformte Öffnung in lichtundurchlässiges Papier, um eine präzisere Nachbelichtung hinzubekommen.

Auch bei den ungleich besseren Möglichkeiten, die heute Photoshop bietet, sind Übung und Erfahrung von Nutzen. Aber die exakte Wiederholbarkeit im Ergebnis oder gar der Rückgriff auf jeden einzelnen Bearbeitungsschritt waren damals einfach "nicht drin". Entsprechend hoch war der Ausschuss, den man in seiner Dunkelkammer produzierte!

Herbert Ujma, 12.03.2013

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Foto Vergroesserungsgeraet Mein Vergrößerungsgerät (Negativformat bis 6x9cm), das ich nach Anbruch der digitalen Zeiten verschenkt habe. Leider habe ich es niemals separat fotografiert und auch im Internet war kein gescheites Foto dieses Gerätetyps zu finden.

Foto Eigenbau Karl-Heinz Ujma 1

Belichtungssteuerung made by Karl-Heinz Ujma! Solch geniale Selbstbau-Technik verdiente eine Plexiglas-Vorderseite. Ansonsten bestand das Gehäuse aus Aluminium. Am Vergrößerungsrahmen angebracht (ganz links) die Sensor-Halterung, ebenfalls von meinem Bruder gefertigt. Der Sensor ist über das graue, oben rechts eingestöpselte Kabel mit der Gerät verbunden. Es waren offenbar gerade ein Lautsprecherkabel samt -Stecker sowie eine -Buchse übrig – eine ökonomisch gute Lösung!

Foto Eigenbau Karl-Heinz Ujma 2

Die Bedienungselemente auf der Oberseite: Unten links der Netzschalter, darüber der Schalter für das Dauerlicht (zum Einstellen). Mit dem kleinen Wahlschalter zwischen den beiden Drehreglern oben konnte zwischen "Hand" und "Auto" gewählt werden. Im "Hand"-Modus stellte man mit dem linken Drehregler die Belichtungszeit ein.

Im Automatikbetrieb konnten mit dem rechten Drehregler die Eigenschaften des verwendeten Photopapiers berücksichtigt werden. Ansonsten wurde von dem angeschlossenen Sensor (auf dem oberen Foto links im Bild) die auf das Papier fallende Lichtmenge gemessen. Die Steuerelektronik regelte dann die Belichtungsdauer.

Mit dem gelben Tast-Schalter löste man dann die Belichtung aus, sowohl im Automatik- wie auch im Hand-Modus.

Foto Rückseite Belichtungsautomat

Über die robuste, schwarze Bakelit-Steckdose an der linken Seite des Gehäuses wurde das Vergrößerungsgerät mit Strom versorgt. Netzseitig hatte mein Bruder das Gerät natürlich ordentlich mit einer austauschbaren Sicherung versehen (links neben der Kabelzuführung).

Fotos: Herbert Ujma