Sympol Spotlight Autofähre Walluf

Fähr- und Fairtrade Gemeinde Walluf

Weitere Titel für Walluf:
Doppelpforte des Rheingaus / Fähr- und Fairtrade-Gemeinde

Das Siegel als Fairtrade-Gemeinde besitzt Walluf erst seit November 2013. Als Pforte des Rheingaus bezeichnet sich die Gemeinde schon sehr lange. Zu Zeiten des Gebücks, der Grenzbefestigung des Rheingaus, bestand in Niederwalluf ein starkes Bollwerk als östlicher Durchlass zum Rheingau.

Im Westen führte das Gebück wahrscheinlich nördlich der heutigen Rheingau(-Taunus) und -Landesgrenze zum Rheinufer, nämlich Im Niedertal, also fast schon in Kaub. Einer anderen Vermutung zufolge führte das Gebück zwischen Lorch und dem erst später entstandenen Lorchhausen zum Rheinufer.

Wie dem auch sei: Das heutige Lorch, also mit dem Stadttteil Lorchausen, ist die westliche Pforte des Rheingaus. Und zwar in zweifacher Hinsicht! Ausser auf dem Landwege kann der Rheingau in Lorch auch per Autofähre von Niederheimbach aus erreicht werden.

Dieses "Alleinstellungsmerkmal" nimmt jedoch seit dem 19. Februar 2015 auch Walluf in Anspruch. Denn wegen der Sperrung der Schiersteiner Brücke müssen die 90.000 Fahrzeuge, die sie pro Tag benutzt haben, anderweitig verteilt werden. Zusätzlich zu den wenigen bestehenden Ausweichmöglichkeiten ist daher zwischen Walluf und Budenheim ein Autofährbetrieb eingerichtet worden.

Jeweils unweit der beiden Anleger der Fahradfähre, die im Sommer des Sonntags zwischen Walluf und Budenheim pendelt, bestehen an beiden Ufern so genannte Nato-Rampen. Sie wurden zu Zeiten des Kalten Krieges rein prophylaktisch gebaut, um ggf. nach Zerstörung (auch) der Schiersteiner Brücke zumindest den Militär-Verkehr über den Rhein zu ermöglichen.

Gegenwärtig ist die alte Schiersteiner Brücke zwar nicht zerstört, aber gesperrt, weil ein Schaden an der Vorlandbrücke auf rheinland-pfälzischer Seite entstanden ist. Ursächlich dafür sind wohl ausgerechnet die Bauarbeiten für die neue Schiersteiner Brücke, die auf hessischer Seite schon relativ weit vorgeschritten sind – ohne Schäden zu verursachen.

Jedenfalls sind die bestehenden Ausweichmöglichkeiten, also die Weisenauer- und die Theodor-Heuss-Brücke im Raum Mainz sowie die Autofähren Mittelheim - Insgeheim und Rüdesheim - Bingen so stark überlastet, dass eine weitere Rheinquerungs-Möglichkeit Entlastung bringen sollte. Eine zivile Nutzung der "Nato-Rampen" in Walluf und Budenheim lag nahe, kam dann aber doch für beide Gemeinden überraschend.

Für immerhin einen Monat, vielleicht auch etwas mehr, besteht nun zwischen Walluf und Budenheim eine Autofähre! Dass das Fährschiff den Namen "Stadt Rüdesheim" trägt, gefällt den Wallufern ebenso wenig wie die zusätzliche innerörtliche Verkehrsbelastung. Der La-Londe-Platz, an dem nicht nur das Vereinshaus, sondern auch die Nato-Rampe liegt, ist nun "Aufstellfläche" für die Zufahrt zur Fähre.

Doch findige junge Leute ziehen einen Nutzen daraus: Sogleich wurde ein ambulanter Verkauf von Getränken und Snacks am La- Londe-Platz bzw. entlang der Autoschlange, die sich zu den Stosszeiten über die Rheinallee und die Johannisbrunnenstraße bis hin zur Hauptstraße erstreckt, eingerichtet. Sollte man das nicht – analog zum Cabo Sao Vicente in Südwest-Portugal – etwas ausweiten und mit "Letzte Bratwurst vor Rheinhessen" betiteln?

>>> zur Fotogalerie "Diese Fähre ist ne temporäre"
… und deshalb ist der Betrieb am 24. April 2015 eingestellt worden. (Die Schiersteiner Brücke ist wieder befahrbar.)

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Text und Fotos © Herbert Ujma, 22.02.2015, www.ujmaweb.de

Mehr zur lokalen Historie:

>>> Index Ergänzungen zur Wallufer Ortsgeschichte

 

Vom fairen Walluf aus do fährt e Fähre
Doch ìsts blooss nur e temporäre
Denn über`s Briggsche nebbe aan
werd mer kenne bald scho werre faan

Nato-Rampe zivil genutzVom La-Londe-Platz nach Frankreich – über Budenheim

Ab nach BudenheimAuf geht´s nach Rheinhessen

Ankunft in WallufAnkunft am Wallufer Gestade (links der "Alte Bock")

SonntagsruheEnttäuschender Ruhetag am Sonntag

Letzte BratwurstGeschäftsidee, wenn´s wieder ordentlich brummt

(Schrift perspektivisch falsch, um die Fotomontage zu "entlarven". Zum Vergleich hier ein Blick auf das Original in Südportugal:)