Sympol Spotlight Gitarren-Gipfeltreffen auf dem Eichberg

Benefiz-Konzert der "Pretty Beats" am 28. Januar 2005
im KuZ Eichberg zugunsten der Tsunami-Opfer

Die Pretty Beats, besonders natürlich in Gestalt von Biber Herrmann, erwiesen sich an diesem Abend als perfekte Gastgeber für viele weitere Musiker. Rein impressionistisch möchte ich mich zunächst auf drei davon, nämlich die REPASS-Musiker, konzentrieren. Als eingeschränkt begeisterungsfähigen, eher verdammt kritischen Menschen, hat mich die wasweißichwievielte Formation unter dem Namen REPASS echt beeindruckt:

An den Drums der wunderbar unaufdringliche Rainer Schneider. Man möchte spotten: er trägt sich gewiss immer ordentlich in die Anwesenheitsliste ein. Wie Charly Watts verzieht er keine Miene bei der Arbeit, verbirgt geradezu die Lockerheit, die ein Drummer braucht, um präzise zu sein. Besonders am Hi Hat, dessen Zischen messerscharf zu sein hat, aber bei Rainer Schneider so scharf ist wie diese japanischen Messer der Profi-Köche, bei denen das Schnittgut quasi gar nicht mitkriegt, wie oft es zerteilt wird.

Mögen andere Drummer ganze Arsenale an Trommeln und Becken auffahren – der Rainer kommt mit der Schlagzeug-Grundausstattung aus. Becken oder Trommeln, die seine Gliedmaßen nicht erreichen würden, ohne den Rumpf bewegen zu müssen, wären unnütz. Um so mehr freilich kriegen die paar Gerätchen ab, denn allein aus Rainers Hand- und Fußgelenken heraus wird mit Ihnen ein ziemlicher Wirbel veranstaltet. Wenn das Wort Effizienz in der Musik erlaubt wäre – hier wäre es angemessen. Gleichzeitig ist Rainer Schneiders Job elementar. Weil ohne ihn der Rock nicht rocken würde.

Gente und Gitarre – das sind nur zwei verschiedene Ausdrücke für ein Phänomen: die Verschmelzung jeglichen Gitarrenmaterials mit der Musikalität des Jürgen-Gentemann-Hirns. Als notwendiges Medium hat es die Finger dazwischen, die man, in Ruhestellung, immer wieder nachzählt. Denn während des Spiels ist man sicher, dass es wesentlich mehr als Zehn sein müssen, zumal lediglich 4 Saiten zur Verfügung stehen. Aber spielt er wirklich Bass? Rollenzuweisungen wie Lead-, Melodie-, Rhythmus- oder Bassgitarre sind bei Gente sinnlos. Er kann nicht nur alles spielen, sondern auch alles gleichzeitig spielen.

Weil er aber von ganzem Herzen Band-Musiker ist und nicht Solist, ordnet er sich insofern ein, als er bei Repass, sagen wir: schwerpunktmäßig, Bass spielt. Einen Bass mit Flügeln. Einen Bass mit zwei oben liegenden Nockenwellen. Einen einfach unglaublichen Bass! Streichen, Schlagen, Zupfen? Nichts von alledem. Gente pflückt jeden einzelnen Ton von den Saiten. Aber schneller, als eine Erntemaschine die Reben herunter klopft und trotzdem sorgfältiger, als der Winzer persönlich bei der manuellen Lese.

Gentes Töne springen mit der Knackigkeit grüner Äpfel aus der Bassgitarre. Die Ohren kommen mit dem Zubeißen kaum nach, sie schaffen es nur deshalb, weil die Gewerkschaft der Dioden und Transistoren vor dem Elektronischen Arbeitsgericht erstritten hat, Gentes Nano-Motorik auch mal in Blöcke von jeweils einer Millisekunde zusammenfassen zu dürfen.

Und dazu noch Hans Rickenberg! Als Repass-Urgestein ist seine Virtuosität schon so bekannt, dass sie nicht noch von mir beschrieben werden muss. In seinem jetzigen Reifestadium ist er allerdings noch wohlschmeckender, pardon, wohlklingender als zu jenen wilden Zeiten. Andererseits ist er immer noch der Bub, der sich selbst am meisten darüber zu wundern scheint, welch unglaubliche Tonfolgen er zustande bringt, wenn sein Einfallsreichtum Kapriolen schlägt.

Womöglich ist er nur deshalb auch der Sänger, weil es ihm nur singend – und sich dabei auf der Gitarre begleitend – gelingt, vom Himmel seiner Soli auf den Boden der Songs zurückzukommen. Und da groovt es noch genug, aber hallo! Später dann, im Jam-Finale, ein schier atemberaubender Gitarren-Dialog zwischen ihm und seinem einstigen Schüler Biber Herrmann! So fetzig, dass es mich an die Redeschlachten zwischen Strauß und Wehner im Bundestag erinnerte. Nur kurz allerdings, denn ansonsten harmonierten die beiden Gitarren wunderbar.

Zurück zu REPASS: Was sie an diesem Abend abgelieferten, hätten noch viel mehr Leute hören sollen! Auch, weil dann mehr Eintrittsgeld zusammengekommen wäre, das ja komplett an die "Ärzte ohne Grenzen" gegangen ist, um den Tsunami-Opfern zu helfen. Bitte, Repass, auch ohne Gagen-Verzicht, spielt Ihr doch, weil es Euch Spaß macht, oder? Dann laßt uns öfter dabei zuhören (oder auch ausflippen). Ob Blues, ob Rock, ob Funk-Rock, Jazz-Rock, Latin- oder sonstwas-Rock – bringt es! Es klingt bei Euch doch sowieso genial!

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© Herbert Ujma, www.ujmaweb.de

 


foto biber herrmann

Biber Herrmann

Logo The Pretty Beats

Logo der Pretty Beats


Foto Repass

Die Rockformation REPASS
v.l.n.r.: Jürgen Gentemann, Rainer Schneider und Hans Rickenberg
Foto: Repass


Natürlich hoffe ich, demnächst weitere Illustrationen und Fotos von meinen Lieblingsmusikern präsentieren zu können.

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