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Seit Beginn meiner Kreistagstätigkeit setze ich mich für die Reaktivierung der 1983/1986 stillgelegten Aartalbahn (Wiesbaden Hbf - Diez / Limburg) ein. Die konkrete Möglichkeit dazu in Kombination mit einer Stadtbahn Wiesbaden, inkl. gesicherter Finanzierung (!), wurde 1998 durch eine Mehrheit im Wiesbadener Stadtparlament vertan.

Anders als damals ergaben später vorgelegte so genannte Gutachten - ganz im Sinne der Auftraggeber - , dass die Reaktivierung doch nicht wirtschaftlich wäre. Die Menschen im Aartal und mich hat das nicht davon abgehalten, weiter für die Aartalbahn zu kämpfen.

Da die komplette Strecke unter Denkmalschutz steht und ein Teilstück von der Nassausischen-Touristik-Bahn (NTB) genutzt wird, ist ohnehin nicht an einen Rückbau oder an eine anderweitige Nutzung der Trasse zu denken. Mit meinem folgenden Kreistags-Antrag und der Rede dazu als Beispiel möchte ich unterstreichen, dass ich das Ziel der Reaktivierung niemals aufgeben werde:

Dringlichkeitsantrag zur Kreistagssitzung am 26. 03. 2007

Reguläre Nutzung der Aartalbahn


Auf Grund der kürzlich durch die ESWE erklärten Schwierigkeiten, weiterhin die Strecken-Instandhaltung der Aartalbahn zu leisten, muss dringend eine neue Regelung für den Erhalt der Betriebsfähigkeit der Strecke gefunden werden. Das ‚Forum Aartalbahn’ am 05. 03. 2007 in Taunusstein hat gezeigt, dass auch ohne Realisierung der „Stadtbahn“ in Wiesbaden die Reaktivierung der Aartalbahn in mehrfacher Hinsicht sinnvoll ist.

Der Kreisausschuss wird gebeten,

  • gemeinsam mit der RTV und den Anliegerkommunen eine Lösung für den dauerhaften Unterhalt der Strecke im Bereich des Rheingau-Taunus-Kreises zu finden. Darüber hinaus sollte die RTV eine praktikable Regelung bezüglich des Unterhalts der beiden anderen Streckenteile in den Bereichen Wiesbaden und Rhein-Lahn-Kreis konzipieren.
  • alle Möglichkeiten auszuloten, wieder regulären Betrieb – sowohl Öffentlichen Personenverkehr wie auch privaten Güterverkehr – auf die Aartalbahn zu bringen, damit die Kosten der Streckenunterhaltung in die Betriebskosten einfließen können. Für den Personenverkehr sollte die RTV ein Konzept entwickeln, das auch unabhängig von dem bisherigen Vorhaben einer Wiesbadener Stadtbahn realisierbar ist.
  • den Betrieb der Nassauischen Touristik Bahn (NTB), ggf. in erweiterter Form bzw. in Kombination mit den Aktivitäten des Arbeitskreises Aartalbahn (Draisinenverkehr) zu unterstützen und in Zusammenarbeit mit den Anliegerkommunen weitere einzelne Angebote sowie „Rund-um-Angebote“ zu erarbeiten und somit den Tourismus im Aartal insgesamt zu fördern.

Auszug aus der Begründung:

Das Interesse der Landeshauptstadt Wiesbaden, mit einem attraktiven Schienen-Regionalverkehr seine Potenziale als Arbeits-, Einkaufs- und Freizeitort besser und zugleich stadt-schonender auszuschöpfen, ist unverständlich gering. Die damit einhergehende Behinderung der Entwicklungsmöglichkeiten entlang der Aartalbahn kann im Rheingau-Taunus-Kreis nicht weiter hingenommen werden.

Der Wunsch des Rhein-Lahn-Kreises nach einer Verbindung von Diez bis Mainz Hbf schließt eine alternierende Anbindung an Wiesbaden Hbf (Original-Strecke) nicht aus, hat aber auch für den Rheingau-Taunus-Kreis einen deutlich höheren Nutzen als ein Betrieb, der generell nur zwischen Wiesbaden Hbf und Bad Schwalbach bzw. Aarbergen stattfindet. Aus Richtung Aartal würde sich an der Haltestelle „Landesdenkmal“ der Betrieb nach Wiesbaden Hbf und nach Mainz Hbf gabeln.

Somit könnte in Wiesbaden Wiesbaden-Ost ein interessanter „Knoten“ entstehen: diejenigen Züge, die nach Mainz Hbf verkehren, wären bei entsprechender Taktung mit der S-Bahn in Richtung Frankfurt (S 9) verknüpfbar. Damit könnte eine sehr schnelle Verbindung zwischen dem Aartal und dem Flughafen entstehen! Im Übrigen wäre in Wiesbaden Ost auch die S 1 erreichbar, die über Ffm-Höchst in Richtung Frankfurt verkehrt.

Bemerkenswert ist außerdem, dass in Mainz Hbf wesentlich umfangreichere Verknüpfungen mit dem Fernverkehr bestehen als in Wiesbaden Hbf. Die Aartalbahn -Reaktivierung hätte für den Rhein-Main-Raum insgesamt einen Straßenentlastenden Effekt sowohl im Berufsverkehr als auch im Freizeit- und Tourismusverkehr. Nicht zuletzt würde sie die Entwicklungs-Chancen der Kommunen des Aartals erheblich verbessern.

Aktueller Nachtrag:

Der in Rheinland-Pfalz liegende Teil der Aartalbahn von Diez bis Zollhaus wird 2014 reaktiviert!

Im Kreistag am 14. Mai 2007 wurd der nebenstehende Antrag beraten und mit großer Mehrheit verabschiedet. Zur Einbringung habe ich die folgende Rede gehalten (hier leicht gekürzt):

Anrede,

der Beschlußtext nebst der ausführlichen Begründung liegt Ihnen vor. Deshalb will ich mich auf einige zusätzliche Aussagen konzentrieren:

Alle erfolgreichen Verkehrssysteme funktionieren nach dem Netz-Prinzip. Ob es die Straßen, die Wasserwege oder die Eisenbahnen sind: Nur so können die individuellen Start- und Zielorte der Nutzer weitgehend frei gewählt werden. Schlechte oder nicht vorhandene lokale Netz-Zugänge mindern die Gesamt-Attraktivität eines Netzes.

Im Personenverkehr können sich Busse und Bahnen hervorragend ergänzen (Beispiel City-Ticket im Bahn-Fernverkehr, das die ÖPNV-Nutzung in größeren Start- und Zielorten einschließt). In dünn besiedelten Bereichen erbringt auch der Pkw seinen Beitrag zur Feinerschliessung (Stichwort P & R).

Die leistungsfähigste Erschliessung der Haupt-Achsen, die eine Großstadt mit ihrem Umland verbinden, bietet zweifellos der Bahnverkehr. Zumal der städtische Endpunkt in aller Regel einen Knotenpunkt im Gesamtnetz darstellt, der mehrere Regionen verknüpft und die Verbindung zum Fernverkehr herstellt.

Die so genannten Regionalisierungsmittel des Bundes - leider inzwischen gekürzt - haben in erheblichem Maße dazu beigetragen, dass zum Beispiel in Rheinland-Pfalz und in Bayern sehr erfolgreich zahlreiche stillgelegte Bahnstrecken reaktiviert wurden. Aber auch in Hessen gibt es als hervorragendes Beispiel die in kommunaler Regie reaktivierte Strecke Friedrichsdorf - Grävenwiesbach, inzwischen verlängert bis Brandoberndorf.

Deshalb sind letztlich auch wir in der Kommunalpolitik gefordert, die Mobilität der Menschen und den Transport der Güter so zu organisieren, dass die individuellen und gewerblichen Interessen mit bestmöglichem volkswirtschaftlichen Nutzen in Einklang gebracht werden. Damit ist auch die Bedrohung durch die Klima-Katastrophe gemeint, zu deren Abwendung eine intelligente Verkehrspolitik viel beitragen kann.

Im jüngsten Prognos-Zukunftsatlas 2007 werden dem Rheingau-Taunus-Kreis (sowie dem Kreis Limburg-Weilburg) "Zukunftschancen" bescheinigt. Allerdings werden dem Nachbarkreis Mainz-Bingen (sowie dem Kreis Alzey-Worms) "hohe Zukuftschancen" eingeräumt. Dazu hat neben vielen anderen Faktoren sicherlich auch deren fast wieder vollständig genutzte Schienen-Infrastruktur bzw. die damit realisierte Angebotsqualität und -Intensität beigetragen!

Die SPD-Fraktion bitte Sie alle, liebe Kolleginnen und Kollegen, mit dem vorgelegten Antrag im wahrsten Sinne des Wortes die Weichen richtig zu stellen für eine mögliche Reaktivierung der Aartalbahn, unabhängig von der Realisierung der Stadtbahn Wiesbaden – nein, ich sage lieber: im Vorgriff auf die Stadtbahn Wiesbaden – damit die Entwicklung der Kommunen des Aartals und des Rheingau-Taunus-Kreises nicht weiter behindert werden.

Dies ist eine Frage der Kreisentwicklung insgesamt. Der Siedlungsdruck des Rhein-Main-Raumes nimmt trotz der allgemeinen demographischen Entwicklung nicht ab. Um eine weitere Zersiedlung der Landschaft zu vermeiden, bleibt der alte Grundsatz des Landesentwicklungsplans richtig, die Zuwächse entlang der bestehenden Verkehrsbänder, besonders der Schienenstrecken, zu konzentrieren.

Es ist überhaupt keine Frage, dass die Aartal-Kommunen bei einer reaktivierten Aartalbahn eine wesentlich attraktivere Standortqualität aufzuweisen hätten. Gleichzeitig wäre damit für den Kreisteil Rheingau, in dem keine großen Zuwächse mehr möglich sind, der Siedlungsdruck geringer. Die erfreuliche Entwicklung in den Räumen Niedernausen und Idstein hängt sicher auch damit zusammen, dass sie verkehrlich - auch per Schiene - gut erschlossen sind.

Ob wir es schaffen, die Aartalbahn wieder zu nutzen, ohne die Stadtbahn - nein, sagen wir besser: im Vorgriff auf die Stadtbahn Wiesbaden zu nutzen, hängt von vier Faktoren ab. Notwendig ist

  • unsere große, vielleicht sogar vollständige Geschlossenheit des Kreistags Rheingau-Taunus und der Aartal-Kommunen
  • auf dieser Basis Überzeugungsarbeit zu leisten in Wiesbaden, wo die Befahrbarkeit der Originalstrecke zwischen Wiesbaden-Dotzheim und Wiesbaden Hauptbahnhof wieder hergestellt werden muss
  • die konstruktive Mitwirkung des RMV, der Vieles ordentlich hinbekommen hat - in den großen Städten. Aber leider bislang nicht in der Peripherie des Rhein-Main-Ballungsraumes
  • eine mindestens ideelle Unterstützung des Hessischen Verkehrsministeriums, dem wir unsererseits gerne helfen wollen, seine Zielsetzung eines "Staufreien Hessens" zu erreichen!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.