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"Die Stromerzeugung aus regenerativen Energien mit dem realen Stromverbrauch zeitlich in Deckung zubringen, ist unmöglich. Speicher-Anlagen, die die Grundlast abdecken könnten, gibt es nicht."
Herbert Ujma

Der Masterplan Energie

Der nun vorliegende und vom Kreistag zur Kenntnis genommene vorgestellte "Masterplan Energie" des Rheingau-Taunus-Kreises beinhaltet den Vorschlag, in erster Linie durch das Aufstellen von rund 120 (!) Windrädern die gleiche Menge Energie zu erzeugen, die im Kreisgebiet verbraucht wird.

120 Windräder – im Kreisgebiet – da würden sich die Standorte wohl kaum auf den Untertaunus beschränken lassen, sondern sogar die Rheingauer Höhen "schmücken". Wenn auch u.U. nur für 15-20 Jahre. Denn dies ist ihre Lebensdauer laut Hersteller-Angaben. Weit früher jedoch dürften die pekuniären Gründe entfallen sein, aus denen heraus viele Kommunen derzeit Windkraftanlagen befürworten.

Wer oder was zwingt uns zur Autarkie? Warum sollte ein einzelner Landkreis etwas anstreben, was andere, aus unterschiedlichen Gründen, gar nicht können – von Städten und größeren urbanen Räumen mit viel Industrie und Gewerbe ganz abgesehen? Das vorhandene Netz ist ja nicht nur zum (derzeit bestens vergüteten) Einspeisen da, sondern zur Sicherstellung einer permanenten Versorgung. Wollen wir die Leitungen an den Kreisgrenzen kappen, um ein "autarkes" Rheingau-Taunus-Netz zu haben?

 

Der vorliegende Entwurf des Masterplans enthält aber sicherlich auch richtige Analyssen und m. E. überwiegend unterstützenswerte Ziele, beispielsweise im Hinblick auf energetische Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten der kreiseigenen Liegenschaften. Im übrigen besitzt nicht der Kreis die Flächen, auf denen die Errichtung von Windkraftanlagen möglich ist, sondern es sind in erster Linie die einzelnen Kommunen, die darüber zu entscheiden haben.

Allerdings sollte dabei ihr Blick über die Gemarkungsgrenzen hinaus auf die Natur- und Kulturlandschaftsräume gerichtet sein, zu denen die Kommunen (oder Teile davon) gehören. Zudem ist es unzeitgemäß und unklug, solche Entscheidungen ohne intensive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu treffen.

;-) Auf Landesebene hat auch der grüne Teil der Landesregierung nichts dagegen, dass eine "Strom-Autobahn" von den off-shore-Windkraftanlagen über Hessen bis nach Bayern verlaufen soll. Wie man hört, hat Bayern aber Probleme mit der Akzeptanz der Trasse. Sollte sie dann in Hessen enden, dürfte es ja möglich sein, von da aus so viel abzuzweigen, dass der Taunuskamm zumindest im Rheingau von Windrädern verschont bleiben kann …

 

Wolfgang Landsfeld
setzt sich kritisch mit dem Masterplan auseinander. Hier der Wortlaut seines Leserbriefs vom
16. März 2014:

Masterplan - ein Albtraum

Knapp 90 Prozent des Stromes im Rheingau-Taunus-Kreis sollen im Jahr 2020 wahrscheinlich durch Windräder erzeugt werden. Bei gleich bleibendem Energieverbrauch wären kreisweit dafür 118 Anlagen mit einer (Nenn-) Leistung von 2,5 Megawatt notwendig, die 2000 Vollaststunden laufen sollen.

Es sind m.E. sehr optimistische Annahmen, dass die anvisierten 118 Anlagen die rund 600 000 MWh Strom im Jahr liefern können.
Es gibt keine echten Windmessungen hier. Tatsächlich bringen die in Deutschland installierten Windräder durchschnittlich nur gut 15 % der Nennleistung, in windschwachen Gebieten auch deutlich weniger.

Aber :
Wenn der Wind nicht weht, gibt es keinen Strom, auch wenn wir noch tausend Windräder mehr bauen. Technisch reife und wirtschaftlich arbeitende Stromspeicher sind nicht in Sicht, um an wind- und sonnenreichen Tagen Strom zu speichern.

Also brauchen wir einen zweiten konventionellen Kraftwerkspark mit der vollen Leistungsfähigkeit, der den Verbrauch dann sicher stellt, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. (Bauen wir die auch im Kreis für die "Autarkie"?)

Für dieses Vorhalten von Kraftwerken wollen die Betreiber zu recht bezahlt werden, was die Verbraucher weiter belasten wird.

Da die vom Verbraucher über die EEG-Umlage hoch subventionierten Wind- und Sonnenstromanbieter Vorrang beim Einspeisen ins Netz geniessen und den Börsenpreis für Strom (nicht den Preis für die Verbraucher) drücken, kommen heute vornehmlich die relativ billigen (Braun-)Kohlekraftwerke zum Zuge. Die umweltfreundlicheren, teilweise neu gebauten Gaskraftwerke liegen still.

Die Förderung von Wind- und Sonnenstrom hat bisher in der "Energiewende" somit zu einem höheren Ausstoss von dem als Klimakiller bezeichneten CO2 geführt. Das vorgegebene Ziel "Klimaschutz" wird ad absurdum geführt. Eine der vielen Ungereimtheiten dieser "Wende".

Die Subventionierung von Wind- und Sonnenstrom muss beendet, zumindest drastisch reduziert werden. Sie sollen ihre Marktreife beweisen. Im Rheingau-Taunus-Kreis, einem relativen Schwachwindgebiet, wäre der Alptraum von 118 Windkraftanlagen schlagartig vorbei.

Ja, es ist ein Alptraum für mich, im Rheingau-Taunus-Kreis und damit vornehmlich am Taunuskamm ein Windrad neben dem anderen zu sehen. Der "Masterplan" gehört in den Papierkorb !

Wolfgang Landsfeld, Eltville im Rheingau

Das da x120 ?

WKA Kemel

Eines der neuen Windräder in Heidenrod-Kemel
Foto: Herbert Ujma, 10.10.2012

Wie sich die ausgewiesenen Vorrangflächen für Windkraftanlagen auf den Rheingau-Taunuskreis verteilen, zeigt diese Karte (© RP Darmstadt, Geschäftsstelle der Regionalversammlung Südhessen)

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