Spotlight Meine preußischen Wurzeln

Wilhelm UjmaOma Christina

Wilhelm Ujma, * 13.12.1877, † 03.01.1959, und Christina Ujma geb. Czech, * 05.10.1880, † 03.08.1959. Fotos: privat

Wappen Adelnau Wappen der Stadt Odolanów, die zur Preußenzeit Adelnau hieß. Dieses Wappen und die Wappen der im folgenden genannten Kommunen bilden die untere Reihe in der Phantasieflagge (rechte Spalte oben).

Innerhalb der Preußischen Provinz Posen ist Opa Wilhelm in dem Ort Hutta (heute Huta) geboren, der zur Landgemeinde Adelnau (heute Odolanów) gehört. Oma Christina ist unweit davon in dem Ort Bogdaj geboren, der zur Landgemeinde Sosnie gehört.

Beide Landgemeinden sowie die Stadt Adelnau/Odolanów gehören zum Powiat (Landkreis) Ostrowski. Dieser wiederum gehört zur Wojwodschaft Großpolen, die grob der ehem. Provinz Posen entspricht.

Im Standesamt Adelnau haben sie am 23.02.1905 geheiratet. (Ich versuche derzeit, dort etwas über die jeweiligen Eltern meiner Grosseltern herauszubekommen.)

Bergbau-EnblemDas Foto oben links zeigt meinen Bochumer "Oppa", also den Vater meines Vaters, "schwer in Schale". Die jahrzehntelange Maloche als Hauer auf Zeche Prinz Regent scheint er gut überstanden zu haben. Vielleicht lag es an der Fürsorge, die die Unternehmen ihren Bergleuten (und deren Familien) entgegenbrachten.

Wilhelm Ujma gehörte zu den Glücklichen, die eine der vierzig Werkswohnungen in 10 Doppelhäusern an der Brenscheder Straße nutzen konnten, die um 1908 erbaut wurden. Es sind eher "Eigenheime im Viererpack" denn jede Wohnung hatte ihren eigenen Eingang, zwei von der Straßenseite, zwei von der Hofseite.

Die gegenüberliegenden Hofseite bildete das feste Stallgebäude, dahinter befanden sich die Jauchegruben sowie selbst errichtete Kleintierstallungen in Latten-Bauweise. Dort begann das grosse Gartengelände mit Streifen von etwa 6 m Breite und 25 m Länge pro Wohnung! Diese Selbstversorgungsmöglichkeiten, die geringe Mieten und die Gratis-Kohle zum Heizen kompensierten die relativ geringen Löhne.

 Familie der Großeltern Ujma

Die Familie meiner Großeltern väterlicherseits. Von links: Sohn Willi (heiratete nach Bad Freienwalde/Oder), Oma Christina, Opa Wilhelm, Sohn Walter (mein Vater); vorne: Sohn Herbert (mit 21 Jahren an der Ostfront ums Leben gekommen) Foto: privat

Mit dem "Massenorden" EK II 1914 (Eisernes Kreuz) und später mit dem Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer 1914-18 ausgezeichnet, gehörte er nach dem 1. Weltkrieg gerne dem "Militärverein Steinkuhl" *) im "Preußischen Landes-Kriegerverband" an.

') Steinkuhl ist ein Ortsteil von Bochum, dessen Bezeichnung auf den freiadligen Rittersitz "Haus Steinkuhl" zurückgeht, der vermutlich ausgangs des 13. Jahrhunderts dort angelegt wurde. Seine erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahre 1308.

Abb. Militärv.-Abz.Abb. EK II-14Abb. Ehrenkreuz 14-18

"Erbstücke" von meinem Opa Wilhelm Ujma (v.l.n.r.):
Abzeichen des Preußischen Landeskriegerverbandes,
EK II 1914 ("Eisernes Kreuz"),
Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer 1914-1918

Ganz in der Nähe des Bergbaumuseums befindet sich noch das Gebäude der Bergschule Bochum, an der mein Vater Walter Ujma, * 1912, † 1973, als Maschinentechniker gearbeitet hat – und zwar im weißen Kittel (Foto unten)! Diese höhere Stufe des Technischen Zeichners beinhaltet Konstrukteursaufgaben. Zeitweise hat mein Vater übrigens an der Bergschule Saarbrücken gearbeitet.

Foto Papa im Büro

Mein Vater Walter Ujma beim Zeichnen. Man beachte seine auch bei der Arbeit obligatorische Zigarre! Foto: privat

Mit der Arbeit an der Bergschule blieb er als einziger der drei Söhne in der Bergbautradition von Opa Wilhelm. Auch keines seiner Enkelkinder zog es zum Bergbau, aber immerhin studierte mein Bruder Karl-Heinz Chemie an der TU Clausthal-Zellerfeld, ursprünglich eine Bergakademie. Auch dem Ruhrpott und der Stadt Bochum blieben die Enkel nicht treu – aber ideell verbunden!

Mein Bruder hat noch während des Studiums geheiratet und sich später berufsbedingt im Raum Hannover niedergelassen. Ich bin wehrdienstbedingt in Lorch im Rheingau "gelandet" und habe dort geheiratet. Nach der Scheidung ist die berufliche Tätigkeit in Wiesbaden Anlass zum Umzug nach Walluf, ebenfalls im Rheingau, gewesen.

Der fränkische Teil meiner Herkunft, also die Familie meiner Großeltern mütterlicherseits, ist in dem Beitrag "Meine fränkischen Wurzeln" dargestellt.

* * *
Fotos: Herbert Ujma (sofern nicht anders angegeben)
© Herbert Ujma, 03.05.2014, www.ujmaweb.de
Die einzelnen geschichtlichen Fakten habe ich diversen Beiträgen in Wikipedia sowie der Website der Stadt Odolanów entnommen und damit eine kurze Übersicht zu meiner preußischen Herkunft verfasst.

Phantasieflagge Posen
Phantasie-Flagge der Ujma-Wurzeln I: oben die Wappen der Stadt Posen, der Preußischen Provinz Posen und des Herzogtums Großpolen; unten die Wappen der Stadt Odolanów, des Powiats Ostrowski und der Landgemeinde Sosnie. Hintergrund ist die Flagge der Preußischen Provinz Posen. (Quelle der einzelnen Wappen-Grafiken: Wikipedia)

Als Teil der Region Großpolen im Königreich Polen entstand das Großherzogtum Posen, das später zur Provinz Posen wurde. Sie liegt im heutigen Westen Polens und war 1815-1920 Teil des Staates Preußen. Die Provinz Posen gehörte - wie ganz Preußen - ab 1871 zum Deutschen Kaiserreich.

Die an der Warthe gelegenen Stadt Posen (heute Poznań) ist in den verschiedensten Konstellationen stets die Hauptstadt dieser Region gewesen. Das gilt auch für die heutige Wojwodschaft Großpolen. Das Bistums Posen entstand bereits im 10. Jahrhundert und ist seit 1821 Erzbistum. Der Posener Dom ist die älteste Kathedrale Polens.

Karten-Miniatur Adelnau Bahnstreckennetz

Lupe Die Landkarte von 1905 zeigt (in der Vergrösserung), dass die Kleinstadt Adelnau/Odolanów tief in der Südspitze der ehem. Provinz Posen liegt, nahe der Grenze zur Provinz Schlesien. Die Entfernung zur Provinzhauptstadt Breslau/Wroclaw ist geringer als zur Provinzhauptstadt Posen/Poznań (im Kartenausschnitt nicht zu sehen).
Lupe Der Bahnhof Adelnau/Odolanów liegt an der Strecke von Breslau/Wrozlaw zum Knoten Ostrowo. Von dort aus geht es u.a. nördlich nach Posen/Poznań und östlich über Lodz nach Warschau/Warszawa.

Adelnau ist urkundlich erstmals 1302 erwähnt, 1373 zunächst eigenmächtig und 1403 offiziell vom polnischen König mit dem Stadtrecht ausgestattet. Im 16. Jahrhundert erlebte Adelnau eine Blütezeit, was dann erneut für die gut 100 Jahre der preußischen Herrschaft galt. Aus dieser Zeit sind noch u.a. das Rathaus, der Bahnhof und das Postamt vorhanden.

Phantasieflagge Westfalen Phantasieflagge der Ujma-Wurzeln II: Wappen der Stadt Bochum, der Preußischen Provinz Westfalen und des Landes Nordrhein-Westfalen auf der Flagge der Preuß. Provinz Westfalen. (Quelle der Wappen-Grafiken: Wikipedia)

Mutmasslich wegen besserer Perspektiven siedelten meine Grosseltern Wilhelm und Christina in das Ruhrgebiet über, genauer gesagt nach Bochum, immerhin ca. 600 km entfernt. Der Zeitpunkt lag zwischen ihrer Heirat 1905 und 1908, denn auch schon der ältere Bruder meines Vaters ist 1908 in Bochum geboren.

Bochum gehörte damals zu Westfalen, einer ebenfalls preußischen Provinz. Daraus entstand nach dem 2. Weltkrieg zusammen mit Teilen der Rheinprovinz das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die grosse Ausdehnung Preußens hatte zur Folge, dass auch mein heutiger Wohnort Walluf mit samt dem Rheingau 1866 - 1944 zu Preussen gehört hat.

Direkt zuvor hatte der Rheingau zum Herzogtum Nassau gehört. Nassau sowie weitere Teile des heutigen Bundeslandes Hessen wurden 1866 von Preussen annektiert. Vor der relativ kurzen Nassauer Zeit ist der Rheingau für lange Zeit im Besitz des Kurfürstentums Mainz gewesen.

Noch früher allerdings (ca. 900 bis 1160) gehörte der Rheingau zum Herzogtum Franken (Teil des Ostfränkischen Reiches) und somit zur Herkunftsregion meiner Vorfahren mütterlicherseits!

Bochum ist 1929 die zechenreichste Stadt Europas gewesen! 31 Jahre später litt sie entsprechend stark unter dem Niedergang des Kohlebergbaus, zumal auch die Stahlindustrie "abspecken" musste. Als erste Großanlage wurde 1960 die Zeche Prinz Regent geschlossen. Ab 1873 waren allein dort 60 Millionen Tonnen Kohle abgebaut worden! 1973 bedeutete die Schließung der Zeche Hannover das Ende des Bergbaus in Bochum. (Quelle: Stadt Bochum)

Zechengelände

Blick auf die weitläufigen Anlagen der Zeche Prinz Regent, auf der mein Opa Wilhelm gearbeitet hat, und die ihren Gleisanschluss direkt im Bahnhof Bochum-Weitmar hatte – meinem Ausbildungsplatz bei der Deutschen Bundesbahn. Foto: Stadt Bochum

Foto Bergbaumuseum Abb. Grubenlampe
Nach wie vor bietet das Deutsche Bergbaumuseum (links) in einem Anschauungsbergwerk sehr realistische Eindrücke von der Arbeit unter Tage im Steinkohlebergbau. Das für jeden Bergmann unerlässliche Utensil dabei: Die Grubenlampe (rechts) in einer Ausführung, wie sie um 1900 üblich war. Das Museum stellt aber auch in der Dauer- und in den Sonderaussstellungen die Bergbautechnik generell dar.

Ehem. Bergschule Bochum
Das ehem. Gebäude der Bergschule Bochum (leider durch die Aufstockung etwas entstellt) beherbergt heute die Technische Fachhochschule Georg Agricola.