Spotlight Meine fränkischen Wurzeln

Opa Fritz Oma Lina

Mein Opa Friedrich (Fritz) Steppert , geboren am 15.04.1895 in Rentweinsdorf bei Ebern (nördlich von Bamberg), † 15.08.1958 in Bamberg, lebte vorwiegend in Nürnberg. Er heiratete dort Ursulina (Lina) Wegner, geb. am 10.05.1898 in Bamberg. Vermutlich die wirtschaftlich schwierigen Zeiten der 1930 Jahre führten meinen Opa Fritz zum Reichsarbeitsdienst. Offenbar aus Überzeugung blieb er dabei, stieg bis zum Oberfeldmeister auf und war auch früh in die NSDAP eingetreten.

Am 08.05.1928 dürfte er noch andere Vorstellungen von seiner Zukunft gehabt haben. An diesem Tag nämlich wurde ihm in Nürberg der Führerschein (der damaligen Klasse 3b) ausgestellt. Das Potential der noch am Anfang stehenden Automobil-Entwicklung erkannt zu haben, ist bemerkenswert. Erst am Lebensende meines Opas Fritz, also ab Mitte der 1950er Jahre wurde klar, dass das Automobil den Verkehrsträger Eisenbahn von der Spitze verdrängen würde!

Nebenbei bemerkt: Mein Vater, geb. 1912, hat nie einen Führerschein besessen, geschweige denn ein Auto, während sich Opa Fritzens Töchter Jette und Hilde schon in den 1960er Jahren einen VW Käfer leisteten.

Am Ende des II. Weltkriegs war die sechsköpfige Familie Steppert von Nürberg nach Bamberg "ausgebombt" worden. Gegen eine Rückkehr nach Nürnberg sprach vor allem, dass die "Kinder" in Bamberg schnell Fuss gefasst hatten. Tochter HIlde arbeitete bei der Stadtverwaltung, Tochter Jette im Fernmeldeamt und Sohn Heinz als Hausmeister der Wunderburgschule.

Die Steppert-Familie
Die Steppert-Familie: Opa Fritz (unten rechts) und Oma Lina (unten links) mit ihren Kindern: oben v.l. Heinz, Elly (meine Mutter), Hilde, unten Mitte Jette. Foto: privat (gilt auch für die beiden oberen)

Als einzige verliess Tochter "Elly" (Annemarie Elfriede, also meine Mutter), Bamberg und das Frankenland, um in Bochum meinen Vater zu heiraten. Die Töchter "Jette" (Henriette) und "Hilde" (Hildegard) blieben bei den Eltern wohnen, Sohn Heinz zog innerhalb Bambergs um.

Jette wollte ihrem Verlobten Heinrich Meyburg, der 1944 gefallen war, auf ewig treu bleiben. An mehr Eigenständigkeit in Form einer eigenen Wohnung hatte sie daher kein Interesse.

Hilde (Hildegard) hatte gegen Ende des Krieges geheiratet, suchte aber per 15 km - Fußmarsch das Elternhaus auf, um dort ihre Tochter Ursula zur Welt zu bringen. Nach Kriegsende ließ sie sich vom Vater ihres Kindes scheiden.

Aus der Ehe meines Onkels Heinz Steppert (geb. am 28.09.1923, † am 11.11.1999) mit Inge (geb. 13.06.1928, † am 13.10.1998) gingen die Töchter Monika und Christa hervor. Monika heiratete in Bamberg Olf Riemer, hat mit ihm die Kinder Michael und Claudia und ist der Stadt Bamberg stets treu geblieben, was auch für meine Nichte Claudia mit Sohn Julian und meinen Neffen Michael gilt.

Anders die Tochter meiner Tante Hilde, Ursula Schmidt: Sie heiratet in Bamberg Bernd Thomas (ebenfalls aus Bamberg stammend), ging zunächst mit ihm nach Aachen, wo Tochter Antje geboren wurde. Ursula und Bernd konnten sich dann beruflich in Erlangen etablieren und in Uttenreuth (unweit von Erlangen) ein Haus bauen.

Ihre Tochter "Angie" Antje zog es nach dem Abi in die weite Welt bzw. letztlich nach Spanien, wo sie mit Carlos Gonzalez die Töchter Lotta und Elina bekam. Seit der Trennung von Carlos leben "die drei Mädels", also meine Nichte Antje mit den Großnichten Lotta und Elina, ebenfalls in Uttenreuth.

In meiner Kindheit freilich ist Bamberg alleiniger "Sitz" des mütterlichen Familienteils gewesen, den wir oft besuchten. Nicht nur zu diversen Familienfesten, sondern auch in Form preiswerter Ferienwochen. Zwischen der "Bamberger Oma" und uns Kindern fand übrigens eine sehr intensive Kommunkition statt.

Mit dem Frankenlied hat sie uns "Sau-Preißn" auf fröhliche Weise fränkisches Bewusstsein beigebracht, mit ihren vielen Erzählungen auch den Keim eines generellen Geschichtsbewusstseins gelegt. Und Ihre Meinungsfreude hat mit Sicherheit auf mich abgefärbt.

Der preußische Teil meiner Herkunft, also die Familie meiner Großeltern väterlicherseits, ist in dem Beitrag "Meine preußischen Wurzeln" dargestellt.

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© Herbert Ujma, 29.04.2014, www.ujmaweb.de

Steppert-Wurzeln
Die Steppert-Wurzeln in Form einer Phantasie-Flagge: Meine Montage der Wappen von Bamberg und Franken (gross) sowie der Wappen von Bayern, Nürberg, Erlangen und Uttenreuth (klein) auf die rot-weisse Franken-Flagge. (Quelle aller Wappen-Grafiken: Wikipedia)

Franken – wo denn, wie denn, was denn?

In der Bezeichnung "Franken" liegen viele verschiedene Bedeutungen. Zwar kann das Fränkische Reich, dessen größte Ausdehnung unter Karl dem Großen (768-814) weite Teile West- und Mitteleuropas umfasste, als Herkunft der heutigen, "bayerischen" Franken betrachtet werden. Diese Region war aber nur ein kleiner Teil des Ostfränkischen Reiches, das nach der "hälftigen" Teilung des einstigen Frankenreichs in etwa aus dem Gebiet des späteren, mittelalterlichen deutschen Reiches bestand. (Aus dem westfränkischen Reich entwickelte sich das spätere Frankreich.)

Geografisch lässt sich Franken nur weitaus schwieriger lokalisieren als es die heutigen, vom Freistaat Bayern geschaffenen Regierungsbezirke Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken vermuten lassen. Zum einen ist innerhalb dieser heutigen Grenzen nicht alles "fränkisch" gewesen, zum anderen sind Gebiete "fränkisch" gewesen, die heute zu Thüringen, zu anderen bayerischen Regierungsbezirken sowie zum heutigen Baden-Württemberg gehören. Am ehesten kann daher ein fränkischer, genauer gesagt ostfränkischer Sprachraum definiert werden.

Die politischen Grenzen, die man als Vorläufer der heutigen Region Franken bezeichnen könnte, sind höchst wechselhaft verlaufen – sowohl hinsichtlich der Gesamtausdehnung als auch hinsichtlich der territorialen Besitzungen. Relativ klar ist das Gebiet des ab Mitte des 9. Jahrhunderts entstandenen Stammesherzogtums Franken (eines der fünf Stammesherzogtümern des Ostfränkischen Reiches) zu umreissen. Grosse Teile der heutigen Länder Rheinland-Pflalz und Hessen gehörten dazu – samt des Rheingaus, also auch meines heutigen Wohnortes Walluf!

Gemälde Alt-BambergLupe
Bamberg als Gemälde (unbekannter Künstler), aber ein aktuelles Foto würde kaum anders aussehen. Hinten v. l. der Dom, die Neue Residenz und die Michaelskirche, vorne das Alte Rathaus. Wegen seines unversehrt erhaltenen historischen Stadtkerns ist Bamberg seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Städte Bamberg und Nürberg gehörten zunächst (um 800) nicht dazu! Mit ihren Besitzungen auch weit ausserhalb von Bamberg wuchsen Macht und Einfluss des Bamberger Hochstifts (Fürstbischöfe ab Mitte des 13. Jahrhunderts) enorm. Vorausgegangen war 1007 die Gründung des Bistums Bamberg durch Heinrich II., der ab 1002 ostfränkischer König und ab 1014 römisch-deutscher Kaiser war.

Während Bamberg sowie das östliche und nordöstliche Umfeld Bambergs schon bald (etwa ab 900) hinzukamen, blieb Nürnberg noch eine Zeit lang aussen vor und erlangte 1219 die Reichsfreiheit. Erst der "Fränkische Reichskreis", im Jahre 1500 als einer von 10 Reichskreisen vom deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. geschaffen, umfasste annähernd das Gebiet der heutigen fränkischen Regierungsbezirke.

Thumbnail Fränkischer ReichskreisLupe
Der Fränkische Reichskreis in den Grenzen von 1789, unterlegt mit den heutigen Regierungsbezirken Unter-, Mittel- und Oberfranken. (Ausschnitt einer Wikipedia-Karte von Klaus M.)

Einschliesslich Nürnbergs konnte im Fränkischen Reichskreis die enorme Fülle der bis dahin entstandenen Einzelterritorien, die aus geistlichen und weltlichen Fürstentümern, Gefürsteten Grafschaften, Grafschaften, Herrschaften, Reichsstädten sowie den Kleinstterritorien der zahlreichen fränkischen Rittergeschlechter zusammengefasst werden. Auch bei den Untertanen und Bürgern konnte sich nun allmählich die bis heute erhaltene fränkische Identität entwickeln.

Bambert am alten KranLupe
Von der Brücke aus, die durch das in der Regnitz gelegene Alte Rathaus hindurchführt, sind an beiden Ufern viele kleine Fischer-Häuser zu sehen. Das Gebäude am alten Kran (vorne rechts) ist jedoch als Schlachthaus errichtet worden. (Foto: Herbert Ujma)

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© Herbert Ujma, 29.04.2014, www.ujmaweb.de
Die einzelnen geschichtlichen Fakten habe ich diversen Beiträgen in Wikipedia entnommen und damit eine kurze Übersicht zu den Ursprüngen der heutigen Region Franken verfasst.