Mit meiner ausführlichen Stellungnahme vom 01. August 2010 (die vom Rheingau-Echo in weiten Teilen wiedergegeben wurde) bin ich den seinerzeit anhaltenden Diskussionen um Details des Leinpfad-Ausbaus entgegengetreten:

Kreistagsabgeordneter Herbert Ujma:
"Leinpfad-Diskussionen aIlmähIich grotesk!"

"Eine Reihe von Widersprüchen" bei der öffentlichen Kritik am Ausbau des Leinpfads als Radweg sieht Herbert Ujma (SPD), der als Vertreter des Kreistags Mitglied der Verbandsversammlung des Zweckverbands Rheingau ist. Teilweise würden Ursache und Wirkung geradezu auf den Kopf gestellt, immer wieder würden Fragen aufgeworfen, die zumindest vom Prinzip her längst entschieden seien.

Ujma erinnert daran, dass alle Rheingauer Kommunen den Ausbau des Leinpfades zum Radweg nach wie vor für richtig halten und es niemanden überraschen könne, wenn dadurch mehr Radverkehr stattfindet. lm Gegenteil! Die einmütige Zielsetzung besteht nach Ujmas Worten darin: "Der Rheingau soll als Naherholungs- und Tourismusregion gestärkt werden. Die Besucherzuwächse sollen aber möglichst in Form des Sanften Tourismus entstehen, also vor allem auch per Fahrrad! ln Verbindung mit einem attraktiven Schienennahverkehrs-Angebot, wie es der Rheingau künftig haben wird, kann dieses Ziel auf nahezu ideale Weise erreicht werden!"

Offensichtlich, so Ujma müsse auch nochmals klargestellt werden: "Mit der Erstellung der Planung des Radwegs hatten die Kommunen den Zweckverband Rheingau beauftragt, nachdem sich eine Finanzierungsmöglichkeit mit Bundesmitteln ergeben habe (aus dem Bundesprogramm bundesstraßenbegleitende Radwege). Unabhängig von der Finanzierung sei von Anfang gewünscht gewesen, dass der Leinpfad im Abschnitt Walluf-Eltville ausgeklammert wird und dass er generell naturverträglich und "fußgängerbegünstigend", nämlich in Form einer gepflasterten Oberfläche ausgebaut wird.

Letzteren Wunsch haben die übergeordnete Behörden und nicht der Zweckverband nicht erfüllt. Stattdessen wurde ein asphaltierter Ausbau zur Bedingung der Finanzierung gemacht. Lediglich im Bereich der Naturschutzgebiete habe man einer Pflasterung des Weges zugestimmt. Zudem seien es die Naturschutzbehörden und nicht der Zweckverband gewesen, die in weiteren Abschnitten andere Trassierungen anstelle des ursprünglichen Leinpfad-Verlaufs erzwungen hätten."

Dass sowohl an solchen Abschnitten als auch bei "original Leinpfad-Abschnitten" an der Umsetzung der Planung ständig herumgemäkelt wird, hält Ujma, so wörtlich, "für Energieverschwendung." Der Vorsitzende des Zweckverbands, Paul Weimann, habe sich doch beispielsweise beim Regierungspräsidium intensiv darum bemüht, für das gesperrte Leinpfad- Teilstück bei Geisenheim eine Nutzung nur für Fußgänger zu ermöglichen! Das Regierungspräsidium lehnt aber sowohl eine Ausnahme, wie sie der Zweckverband jüngst gefordert hatte, als auch eine Kompromisslösung (Bohlenweg), wie zuvor von Herrn Weimann vorgeschlagen, ab! Somit gilt weiterhin die einmütig beschlossene Planung - und es gilt auch, sie zügig umzusetzen.

Wenn jetzt auch noch wegen eines kleinen Schlenkers, der an der Schönborn'schen Aue durch deren privaten Besitzer notwendig geworden ist, nicht dieser, sondern der Zweckverbands- Vorsitzende kritisiert wird, verdeutliche dies, dass es kaum noch um die Sache gehe. Es sei doch selbstverständlich, dass die Planung einer Trasse dort, wo private Flächen genutzt werden sollen, unter dem Vorbehalt der Einigung mit den Besitzern steht. Kommt sie nicht zustande, folge daraus die Notwendigkeit, die Trassenführung so geringfügig wie möglich zu verändern.

Ujma weiß sich in dieser Meinung einig mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Zweckverbandes und Wallufer Bürgermeisters Manfred Kohl. Auch Kohl sieht die jetzt geführten Diskussionen als eher kontraproduktiv an. Sowohl in den Gremien des Zweckverbandes als auch in den betroffenen Kommunen seien die Planungen eingehend erörtert worden. Der Auftrag sei vergeben worden und es gelte jetzt, die laufenden Baumaßnahmen in absehbarer Zeit zum Abschluss zu bringen, damit der Leinpfad auch wieder von Radfahrern und Fußgängern genutzt werden könne.

"Schon beinahe amüsant" findet es Ujma, wenn die neue Trasse mal als zu weit vom Ufer bemäkelt wird, mal die nicht ufernahen Abschnitte noch verlängert werden sollen. Zudem werde der neue Weg mal als viel zu breit (mit der unsäglichen Bezeichnung "Rad-Autobahn") kritisiert, mal angesichts drohender Radler-Massen für viel zu schmal gehalten. Die in der Tat unterschiedlichen Breiten der verschiedenen Trassenabschnitte seien ebenfalls "nicht auf dem Mist des Zweckverbands gewachsen", sondern hätten von den diversen beteiligten Behörden mit teilweise gegensätzlichen lnteressen sonst keine Zustimmung gefunden. "Dass wir in Kürze endlich auch auf dieser Rheinseite unseren Gästen einen durchgehend befestigten, weitgehend ufernahen Weg für Fußgänger und Radfahrer bieten können," hält Ujma "für längst überfällig, aber nichts desto weniger für erfreulich".

Sicher ist für ihn: "Die Menschen möchten Natur und Landschaft unmittelbar erleben und sie respektieren dabei auch Tabu-Zonen." Würden solche Zonen jedoch in Bereichen mit vorhandenen Wegen, die seit Jahrhunderten von Menschen genutzt werden, neu eingerichtet, müsse dies beim Bürger auf Unverständnis stoßen, so der Kreistagsabgeordnete. "Der Argumentation des Regierungspräsidiums folgend, muss dieser Abschnitt selbst dann gesperrt werden, wenn kein neu trassierter Fuß- und Radweg zur Verfügung stehen würde!" Er habe große Sympathie für das Engagement der Geisenheimer Bürger gegen diese Maßnahme. Auch für ihn sei es sehr ärgerlich, dass kein Kompromiss beim Regierungspräsidium erreicht werden konnte, betont Ujma.

Dessen ungeachtet hoft er auf eine baldige Fertigstellung des Leinpfad-Projektes. Allerdings gehöre der nicht auf dem Leinpfad verlaufende Abschnitt zwischen Eltville und Walluf mit dazu. Ujma zeigt wenig Verständnis dafür, dass die seit Jahren vorliegende Planung noch nicht umgesetzt ist. Den Hinweis auf das ausstehende innerörtliche Radwegekonzept der Stadt Eltville lässt er ebenso wenig gelten wie die - leider erst in jüngster Zeit- vorgeschlagenen Alternativen. lm Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt, dem Ujma angehört, habe die Erste Kreisbeigeordnete Jutta Nothacker klar belegt, dass jeder der Alternativvorschläge weder unter Kostenaspekten noch unter verkehrstechnischen Aspekten in der Summe eine bessere Lösung darstellt als die vorliegende Planungl

lnsgesamt bestünde nach Einschätzung Ujmas aber weiter eine erfreuliche Einigkeit der Kommunen im Zweckverband, nicht nur beim Leinpfad. "lch bin sicher, dass Radfahrer und Fußgänger mit den kurzen, erzwungenermaßen suboptimalen Abschnitten klarkommen und gegenseitiges Verständnis füreinander aufbringen." Für Ujma ist der Leinpfad-Ausbau ein goldrichtiger Schritt bei der Kreisentwicklung. "Er muss so rasch wie möglich noch ergänzt werden durch die Fortsetzung des Radwegs von Rüdesheim bis Lorchhausen (Bundesprojekt)." Zudem hofft Ujma, dass bald durch die Ausweisung von Wander- und Themenwegen im Rheingau in Form des Leitersystems (Zweckverbandsprojekt) "der sanfte Tourismus im Rheingau weiter gestärkt wird."