Stefan Topell

Info zur Person:

Stefan Pages (geb. Topell)

geboren am 10. Januar 1948 in Berlin,
1965 Realschulabschluss in Eltville, Ausbildung zum Filmkaufmann, selbständiger Werbefilmproduzent in Wiesbaden (TV DEPARTMENT Stefan Topell), nahm bei der Heirat 1981 den Namen seiner Frau Veronika Pages an. Gestorben am 11. April 2011.

Lieber Stefan!

In unseren intensiv-gemeinsamen Jahren, einem guten Dutzend, entsprach keine Sekunde davon dem "normalen" Leben. Vielmehr glich diese Zeit einem Füllhorn an Abenteuern! Auch wenn zwischen Freunden Dankbarkeit für gemeinsam Erlebtes nicht ausgesprochen werden muss: Ich hätte es Dir so gerne noch zum Abschied gesagt! – Aber der Tod war schneller.

Wenn Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und E-Mails nicht mehr selbst – und in der Dramatik Deiner letzten Tage auch von Deiner Frau nicht – wahrgenommen werden können, versinken alle Kommunkikations-Bemühungen im schwarzen Loch der Ungewissheit und die läppische Entfernung von 360 Kilometern entspricht dem Abstand zweier Gestirne.

So bleibt Dein Geburtstagsbesuch mit Veronika bei mir vor einigen Jahren in Walluf unsere letzte reale Begegnung. Im Herzen aber bleibt viel mehr, denn:

Erinnerungen sind das einzige Paradies,
aus dem man nicht vertrieben werden kann.

Von Deiner Mutter Liselotte, die als Cutterin bei der NFP (Neue Film-Produktion) "Unter den Eichen" gearbeitet hatte, aber auch als Rentnerin nicht davon lassen konnte und dann vorwiegend für das ZDF arbeitete, hattest Du die Leidenschaft für das Film-Metier mitbekommen. Auf brotlose Kunst verzichtend (obwohl Du sie schätztest und "großes Kino" Dein Traum war), stiegst Du nach solider Ausbildung in die boomende Werbefilm-Branche ein.

In wenigen Tagen für wenige Stunden einen gigantischen Aufwand zu organisieren, damit ein kaum mehr als einminütiges Ergebnis herauskommt – diese konzertierte Hektik hat Dir Spaß gemacht. Und sie hat Deine inhaltliche Unterforderung verdrängt. So manches von Dir zu realisierende Storyboard der Werbeagenturen fandest Du "beknackt" . . .

Aber erstens reizte Dich die der Kinofilmtechnik mindestens ebenbürtige Werbefilmtechnik und zweitens: jeder gedrehte Werbespot brachte reichlich Kohle. Diese "auf Halde" zu legen, kam Dir nicht in den Sinn. Großspurigkeit konnte Dir aber nur anlasten, wer Dich nicht kannte. In Wahrheit handelte es sich bei Dir um Großherzigkeit, Großmütigkeit und Großzügigkeit!

Und so hinterließ die "Alexandrastraße 13" – Office, Studio und Wohnung zugleich – bleibende Eindrücke, nicht nur bei mir. Dem beruflichen Stress bist Du mit privater, gerne vielköpfiger Geselligkeit begegnet. An einer kreisrunden Schieferplatte von fast zwei Metern Durchmesser wurde die französische Lebensart gepflegt. Und francophon hattest Du Dir eine Göttin zugelegt – die legendäre Citroen (déesse) DS 21, und zwar als "Break"!

Im Keller – in der ehemaligen Waschküche – haben wir köstliche Stunden mit Deinen Nachbarn verbracht: Emmy und Arnold Jakobius, die als deutsche Juden rechtzeitig in die USA (Fairfax VA) gehen konnten und zurückgekehrt waren. Irgendwie fühlten sie sich in den Kellerräumen "wohler" als in ihrer noblen ersten Etage! Und - Ehrensache - jedes Jahr galt es, Emmys Stand auf der Frankfurter Buchmesse ("Academia Book Exhibits") auf- und wieder abzubauen.

Zu Deiner Hilfbereitschaft, in Kombination mit Deiner Organisationsgenialität, gehörten auch die Dienste, die Du bei Deiner Tante Elise Topell verrichtet hast, wenn sie ihre Haute Couture - Modeschauen in Wiesbadens Wilhelmstrasse präsentierte. Zu Deiner Schwester Barbara entwickelte sich ab dem Erwachsensein ein gutes Verhältnis. Du hast sie und auch ihre Tocher Michaela sehr gemocht.

Als Du die Lehrerin Veronika Pages kennengelernt hattest, entwickelte sich die große Liebe. Bald darauf habt ihr geheiratet, wobei ich Euer Trauzeuge sein durfte. Später, als es beruflich bei Dir den Bach herunter ging, hat sie dich "seelisch" gerettet und Dein Weiterleben ermöglicht. Die damalige Gefahr, dem Alkolhol zu erliegen, konnte kraft Eurer Liebe gebannt werden.

Die Entfernung von Deinem bisherigen, vor allem dem beruflichen Umfeld, war für Dich schmerzlich, aber notwendig. Dein "zweites Leben" in Braunschweig, zuletzt in Wolfenbüttel, hat Dir und Veronika Frieden gebracht. Sogar einige Jahrzehnte mehr als die Zeit Deiner Abenteuer, von denen ich einen Teil miterleben durfte.

Ich bin unendlich traurig, dass Dir und Veronika nicht das vergönnt war, was man den gemeinsamen Lebensabend nennt. Und das es mir, Roswitha und Edgar nicht mehr beschieden war, uns wie geplant am 16. April von Dir zu verabschieden. Am 11. April 2011 endete Dein Leben, das Dich in schwindelnde Höhen, in gefährliche Tiefen und dann erst in Ausgeglichenheit geführt hatte.

In liebevoller Erinnerung, zugleich sehr nachdenklich, aber auch froh, an Deiner von Dir gewünschten, ergreifenden See-Bestattung teilgenommen zu haben

Dein alter Freund Herbert

* * *
© Herbert Ujma, www.ujmaweb.de


Die Traueranzeige seiner Familie:

Traueranzeige

 

Visitenkarte Stefan

Grafik Stefan und Veronika
Hochzeitsfoto-Inszenierung: Stefan und Veronika sowie Rauhaardackel Pofke (auf der Säule).

Foto VeronikaVeronika bei mir in Walluf

Portrait Arnold Jacobius Scan Visitenkarte Emmy
Arnold Jacobius †, Emmy's † Klapp-Visitenkarte

Foto Stefan in WallufFoto Edgar Hürkey
Stefan bei mir in Walluf, gemeinsamer Freund Edgar (zuvor bereits Schulfreund von Stefan).

Foto BarbaraFoto Michaela Topell
Stefans Schwester Barbara und deren Tochter Michaela

Foto Mutter TopellElterliche Wohnung
Links: Liselotte Topell (Foto: Foto Kathrein)
Rechts: "Bei Muttern" in Eltville (2011 fotografiert)

Foto Alexandrastr. 13
Firmensitz "tv-department" und Privatwohnung in Wiesbaden (2011 fotografiert)