Button Spotlight Der Bahnhof Bochum-Weitmar – eine kurze Existenz

Bahnhof Bochum-Weitmar Eingang

Bahnhof Bochum-Weitmar, Gebäude des (Güter-)Bahnhofs im Jahre 2005

Von der 1868 eröffneten Strecke (Essen-Überruhr - Essen-Steele Ost - Bochum-Dahlhausen - Bochum-Weitmar - Bochum-Langendreer (21 km) zweigte im Bahnhof Bochum-Weitmar (eröffnet 1870) die Strecke zum Bahnhof Bochum-Nord (6 km) ab. Das 1884 für den Personenverkehr errichtete Empfangsgebäude des Bahnhofs Bochum-Weitmar existiert nicht mehr.

Das später errichtete Backsteingebäude (ca. 1930) umfasst den Güterschuppen und die Büroräume der Güterabfertigung. Das Bild oben zeigt den Eingang zu den Büro-Räumen. Das folgende Bild zeigt etwa die Hälfte der Güterhalle (strassenseitig). Die gesamte Ladestraße, auch entlang des Freiladegleises, war kopfsteingepflastert:

Güterschuppen

Nach der Schließung der Dienststelle 1966 ist das Bahnhofsgbäude an private Firmen vermietet gewesen, steht aber etwa seit dem Jahrtausendwechsel leer. Während die Straßen-Seite (Fotos oben) 2005 noch halbwegs ordentlich aussieht, bietet die Gleis-Seite schon ein erschreckendes Bild:

Bahnhof Bochum-Weitmar Güterschuppen Gleisseite

Positiv formuliert handelt es sich bei dem Zustand 2005 offenbar um die "Bundes(bahn)gartenschau":

Bundes(bahn)gartenschau im Bahnhof Bochum-Weitmar

Das (mechanische) Stellwerk Wt des Bahnhofs Bochum-Weitmar am Bahnübergang "An der Holtbrügge" bzw. an der Ausfahrt nach Bochum-Dahlhausen im Zustand von 2005:

Bahnhof Bochum-Weitmar Stellwerk Wt

Bereits 1969 wurde der Streckenabschnitt zwischen Weitmar und Dahlhausen stillgelegt, 1999 der Streckenabschnitt zwischen Weitmar und Bochum-Laer sowie die Strecke Bochum-Weitmar - Bochum-Nord. Das ist auch deshalb schade, weil das später im ehemaligen Bahnbetriebswerk Dahlhausen eingerichtete Eisenbahmuseum*) vom (nahe am Bochumer Hauptbahnhof gelegenen) Bahnhof Bochum-Nord aus stilgerecht per Bahn zu erreichen gewesen wäre, jedenfalls in Form von Sonderfahrten. Tatsächlich verkehrten von 1884 bis 1906 Personenzüge von Bochum-Nord über Bochum-Weitmar nach Bochum-Dahlhausen.

*) Das Eisenbahnmuseum Bochum in Dahlhausen wird von der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichtet (DGEG) betrieben (der ich seit 1988 als Mitglied angehöre) und hat sich zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt.

Vom Stellwerkt Wt aus in der Gegenrichtung (Osten) entwickeln sich die Zugbildungs- und Rangiergleise des Bahnhofs Bochum-Weitmar, hier im noch betriebsfähigen Zustand im September 1995:

Bahnhof Bochum-Weitmar Gleisharfe

Sie wurden jedenfalls bis 1979 genutzt. Nicht im Bild das Güterschuppen- und Freiladegleis. Im Hintergrund links, nach den ganz schwach zu erkennenden Formsignalen, zweigt die Strecke nach Bochum Nord links ab, zuvor der Anschluss zum Kraftwerk Springorum. Geradeaus führte die Strecke bis zum Bahnhof Bochum-Langendreer. Etwa auf Höhe des Abzweigs befand sich das 2006 abgerissene Fahrdienstleiterstellwerk, in ebenfalls preussischer Originalfassung bis zur Schließung des Bahnhofs Bochum-Weitmar in Betrieb. Die Gleise 7 und 8 (ganz rechts) sind der (nach der östl. Weiche eingleisige) Anschluss der Zeche Prinz Regent.

Bahnhof Bochum-Weitmar Ausfahrt nach Dahlhausen

Kurz hinter dem Stellwerk Wt in Richtung Westen: rechts das Streckengleis nach Bochum-Dahlhausen (hinter dem Stellwerk Wt). Von links einmündend das Gleis 2, nach rechts abzweigend ein Firmen-Anschlussgleis. Doch alles das ist Schnee von Gestern.

Bahnhof Bochum-Weitmar Stellwerk Wt ohne Gleise

2012 steckten nur noch im im Asphalt des Bahnübergangs am Stellwerk Wt (zur Privatwohung umfunktioniert) ein paar Meter Gleis, auch im Bahnhof ist das Durchfahrgleis abgebaut, wie schon viele Jahre zuvor die anderen Bahnhofsgleise:

Bahnhof Bochum-Weitmar Durchfahrgleis abgebaut

Ob die Laternen-Reihe – einstmals zwischen den Gleisen 3 und 4 – nachts das rasch entstandene Birkenwäldchen beleuchtet? Seit April 2013 erinnert nur noch der Güterschuppen an den Bahnhof Bochum Weitmar.

Bahnhof Bochum-Weitmar Anschluss Prinz-Regent abgebaut

Anstelle von Gleis 8 führt ein Trampelpfad zum Gelände der ehemaligen Zeche Prinz-Regent, deren Kohle 90 Jahre lang (bis 1960) über den Bahnhof Bochum-Weitmar zu ihren Zielen gelangt war.

Weitgehend auf der Streckentrasse entsteht ein Radweg bzw. ist abschnittsweise bereits fertig. Wenigstens ist so noch "erfahrbar" das es einstmals den Strecken-Abschnitt Bochum-Dahlhausen - Bochum-Weitmar - Bochum-Nord gegeben hat. Vom Abschnitt Bochum-Weitmar - Bochum-Laer - Bochum-Langendreer ist nur noch das kurze Teilstück Laer - Langendreer vorhanden.

* * *
03.03.2012, ergänzt am 15. Februar 2014 sowie am 11. März 2014
Text und Fotos: © Herbert Ujma,www.ujmaweb.de