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„Ende einer Illusion“
Ujma fordert Unterführung statt Tunnel in Rüdesheim

„Es hat keinen Sinn, weiter die Taube auf dem Dach anzuhimmeln. Jetzt muss es darum gehen, so schnell wie möglich den Spatz – nämlich die Beseitigung des Bahnübergangs – in die Hand zu bekommen.“ Damit appelliert der SPD-Kreistagsabgeordnete Herbert Ujma besonders an die Stadt Rüdesheim, die zweifellos städtebaulich beste Lösung, die der Tunnel gewesen wäre, „nicht länger als Monstranz vor sich her zu tragen. Als Lokal- und Regionalpolitiker müssen wir realisieren, dass der Tunnel bundespolitisch nicht darstellbar ist“, erklärt Ujma. Deshalb müsse es jetzt darum gehen, wenigstens das verkehrspolitische Problem, dass der Bahnübergang in Rüdesheim darstellt, schnellstens zu beseitigen.

„Auch ich habe bislang an den Tunnel geglaubt und auf ihn gehofft“, betont Ujma. Schließlich sei er selbst bei dem Gespräch im Bundesverkehrsministerium (damals noch in Bonn) dabei gewesen, mit dem die Finanzierungsvereinbarung auf den Weg gebracht wurde. Noch heute müsse diese partei- und ebenen-übergreifende Aktion als eine großartige Leistung des Bürgermeisters Udo Grün, des Landrats Klaus Frietsch sowie der Landtags- und Bundestagsabgeordneten unserer Region gewürdigt werden, das Hessische und das Bundes-Verkehrsministeriums von der Notwendigkeit des Tunnels zu überzeugen und die Finanzierung „auf fünf Beine zu stellen“ (Stadt, Landkreis, Land, Bund und Bahn).

Rüdesheim, das aus Sicht des Rhein-Main-Gebiets das Tor zum Welterbe Mittelrheintal ist, stelle in Wirklichkeit eine Zufahrtssperre dar, so Ujma. Dies sei nicht nur für die touristische Entwicklung der Stadt Lorch – übrigens auch des Rüdesheimer Stadtteils Assmannshausen – bedauerlich. Auch die übrige gewerbliche Struktur und damit die Bevölkerungsentwicklung Lorchs habe stark unter diesem ärgerlichen Verkehrshindernis zu leiden, das der Bahnübergang der B 42 in Rüdesheim nun einmal ist. Weil bei dem zunehmenden Schienengüterverkehr die Schranke immer häufiger und länger geschlossen ist, sei dies auch für die Pendler nicht länger zumutbar, erklärt der Kreistagsabgeordnete.

Er könne durchaus verstehen, so Ujma, „dass Rüdesheim seinerzeit die Beseitigung des Bahnübergangs durch den Bau einer Unterführung nicht gewollt hat, weil ein Tunnel dann gar keine Chance gehabt hätte“. Weil dieser aber trotz der bestehenden Finanzierungsvereinbarung jedenfalls bundesseitig nicht finanziert werden kann, „müssen jetzt die fertigen Pläne für den Bau einer Unterführung wieder auf den Tisch“, fordert Ujma. Selbstverständlich müsse diese Planung überarbeitet werden und dabei den Belangen der Stadt Rüdesheim möglichst weiter entgegengekommen werden, als es damals möglich schien.

„Zugleich muss das Scheitern des Tunnel-Projekts aber die Forderung aller Kommunen des Rheintals verstärken, eine neue Trasse für den Schienengüterverkehr zu finden und als EU-Projekt zu finanzieren“, betont Herbert Ujma. Weil dies leider auch wieder viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern werde, müsse der Bundesverkehrsminister endlich die Lärmminderung beim Schienengüterverkehr radikal vorantreiben. Die Technik sei da, das politische und rechtliche Instrumentarium sei da, sogar das Geld sei da, um jedenfalls erste, wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Wörtlich fügt Ujma hinzu: „Es will mir nicht in den Kopf, warum sich dabei die Herren Ramsauer und Grube ständig beim Dienst im Bremserhäuschen ablösen!“

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Herbert Ujma, 23.01.2012, www.ujmaweb.de

 

Wappen Rüdesheim

Illustration zum Thema
Quelle des Rüdesheimer Wappens: Wikipedia
Verfremdung mit Schranke: Herbert Ujma


Bahnhof Rüdesheim

Standart-Situation in Rüdesheim vor dem schienengleichen Bahnübergang der B 42, hier aus Richtung Lorch am 28.01.2012 um 14.20 Uhr.
Foto: Herbert Ujma

Fachbehörde unfähig?
Ujma bemängelt irreführende Behauptung zu Tunnel-Alternativen

Als einen „traditionellen“ Versuch Rüdesheimer Interessenvertreter wertet der Kreistagsabgeordnete Herbert Ujma deren Behauptung, weder eine Unterführung noch eine Überführung (statt eines Tunnels) sei technisch machbar.

Diese im Kurier-Artikel vom 26.01.2012 wiedergegebene Aussage des Rüdesheimer Stadtverordnetenvorstehers Michael Barth würde ja bedeuten, dass die Strassenbau-Fachbehörde des Landes Hessen – das HSVV – nutzlosen Unfug erarbeitet. Nach Ujmas Überzeugung erstellen die dort tätigen Fachleute selbstverständlich nur Planungen bzw. Planungsvarianten, die technisch auch machbar sind. Da der gleichen Behörde nicht nur die Planung, sondern auch Umsetzung obliege (Ausschreibung der Leistungen und Beauftragung der ausführenden Unternehmen), sei es „doch wohl unüblich“, Pläne zu erstellen, die nicht ausgeführt werden könnten.

Dies gelte nach Ujmas Auffassung auch für die so genannte Fiktiv-Lösung, die zugegebenermassen der Kostenermittlung für „die normale Art“ der Beseitigung des Rüdesheimer Bahnübergangs gedient habe. Gleichwohl habe sie realisierbar sein müssen, weil ja sonst die Kostenermittlung nicht realistisch gewesen wäre. Ujma bleibt bei seinem Verständnis für die Rüdesheimer Auffassungen, wehrt sich aber gegen für ihn nicht sachgerechte Versuche, auch „den Rest der Welt“ auf ein „Alles oder Nichts“ einzuschwören. Ujma wörtlich: „Wenn die – auch für ihn – beste Lösung aus finanziellen Gründen nicht machbar ist, darf deswegen doch nicht eine wie auch immer geartete zweitbeste Lösung auf ewig verhindert werden!“

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Herbert Ujma, 26.01.2012, www.ujmaweb.de