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Denkmalschutz mal so – mal so?

Als ein unverständliches Pendeln zwischen extrem kleinlich und extrem großzügig empfindet der Kreistagsabgeordnete Herbert Ujma (SPD) die Anwendung des Denkmalschutzes im Rheingau-Taunus-Kreis. Die auf diese Weise entstandenen Verzögerungen bei der Baugenehmigung für die Errichtung eines Hotels im ehemaligen Schulgebäude in Lorch hält Ujma „äußerst ärgerlich“.

Gerade in der vergleichsweise strukturschwachen Stadt Lorch sei die Aufwärtsentwicklung im Tourismus, u.a. durch die Nutzung des „Rheinsteigs“, sehr wichtig. „Statt diesem ambitionierten Projekt durch die Fachbehörden Unterstützung zu geben, wird – so mein Eindruck aus dem Presseartikel des WK von Dienstag – der Bauherrin ziemlich viel zugemutet.“

Die fachlichen Begründungen für Denkmalschutz-Auflagen sind für Ujma, der auch Mitglied des Kreis-Denkmalbeirats ist, sogar dann zu respektieren, wenn sie für Laien nicht ohne Weiteres nachvollziehbar seien. Allerdings sei bei ihm schon länger der Eindruck entstanden, dass in der Denkmalpflege auf beiden Ebenen personenabhängig die Ermessensspielräume recht unterschiedlich genutzt würden.

Es sei ja nicht nur in Lorch noch nicht vergessen, dass das Landesamt in Sachen Hilchenhaus sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe. Ujma wörtlich: „Erst konnte nichts dagegen gemacht werden, dass das Hilchenhaus immer mehr verfiel, weil sein Besitzer über Jahrzehnte kaum einen Cent in die Unterhaltung dieses bedeutendes Denkmals gesteckt hatte. Dann wurde ein gelinde gesagt unpassender Anbau genehmigt, welcher – den öffentlichen Kassen sei Dank – inzwischen wieder abgerissen werden konnte.“

Wenn die fachlich sicherlich umstrittene Genehmigung für den Anbau damit begründet wurde, dass nur so der Erhalt des Hilchenhauses möglich war, dürfen doch jetzt nicht extrem strenge Auflagen die Wirtschaftlichkeit des Umbaus der alten Schule zu einem Hotel gefährden, findet der SPD-Kreistagsabgeordnete.

Das Landesamt betone ja völlig zu Recht auch weiterhin, dass der Erhalt eines Denkmals am allerbesten durch eine Nutzung gewährleistet werde. Die Vereinbarkeit des Denkmalschutzes mit den Erfordernissen der energetischen Sanierung auch denkmalgeschützter Gebäude sei eine große Herausforderung, bei der eben beiderseits und nicht nur einseitig Abstriche gemacht werden müssten!

„Es drängt sich in diesem Fall der Eindruck auf“, so Ujma, dass „zwar die Bauherrin durchaus Verständnis für die Belange des Denkmalschutzes hat, die Denkmalschützer jedoch recht wenig Verständnis für die wirtschaftlichen Belange der Bauherrin!“ Ihr, aber auch der Stadt Lorch sei zu wünschen, dass sich letzteres verbessert, auch hinsichtlich der Zeitdauer des Verfahrens.

Wenn im oberen Rheingau die private Sanierung diverser denkmalgeschützer Villen recht großzügig, bis hin zur Aufstockung (!) genehmigt werde, könnten doch nicht in Lorch völlig andere Maßstäbe gelten. Zumal für Ujma bei dem Vorhaben in Lorch hinzukommt, „dass es auch aus Sicht der Kreisentwickung im unteren Rheingau besonders begrüßenswert ist“.

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Herbert Ujma, 03.01.2012, www.ujmaweb.de

Wappen der Stadt Lorch

Wappen der Stadt Lorch
Quelle: Wikipedia


Übrigens: Im Editorial der Zeitschrift "Denkmalpflege & Kulturgeschichte", Ausgabe 4/2011, schreibt Prof. Dr. Gerd Weiß als Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen u.a.:

"Klimaschutz und Denkmalschutz sind kein Gegensatz. Sie bedürfen aber der gegenseitigen Abstimmung."

Unter gegenseitiger Abstimmung sollte meines Erachtens nicht die absolute Unterordnung energetischer Sanierungs-Maßnahmen unter die Maximal-Belange des Denkmalschutzes zu verstehen sein, vor allem nicht objektbezogen völlig jenseits der Wirtschaftlichkeitsfragen.